Pressemitteilung 30.8.2019

Pressemitteilung

zur Entwicklung der Grundsätze für die Planung einer sicheren Infrastruktur für Radfahrende und der Zusammenarbeit
mit der Stadt Paderborn zu diesem Thema:

Die Initiative für Radfahrende in Paderborn (INI), eine Projektgruppe des Umweltschutzvereins pro grün, traf sich am 21.8.2019 zum 100sten Mal. Seit rund einem Jahr erarbeitet sie in Paderborn gemeinsam mit der Stadt Grundsätze für eine sichere Infrastruktur im Bereich Radverkehr.

Parallel dazu verfolgt die Initiative in der Öffentlichkeit die Fortschritte zum Thema Fahrradverkehr in Paderborn im Lichte der Ziele, die sich die Stadt selbst gesetzt hat. So arbeiten Mitglieder der INI in diversen Gremien mit: In der AG Radsicherheit, am Runden Tisch Radverkehr und in der Projektgruppe zum Integrierten Mobilitätskonzept (IMOK).

Das IMOK nimmt alle Verkehrsteilnehmer in den Blick und will u.a. dem Radverkehr mehr Gewicht in allen Planungsbereichen verleihen.

Einzelmaßnahmen, auch löbliche, ersetzen kein Gesamtkonzept.

Dieses liegt bis heute nicht vor, nicht in der Verwaltung, nicht in der Politik.

Die Probleme im Bereich Radverkehr sind vielschichtig:

  • Fahrradstraßen, die zugeparkt werden dürfen;
  • Fahrerlaubnis gegen die Einbahnstraßen, in denen der Platz ausschließlich für den ruhenden Verkehr von KFZ
    reserviert ist;
  • überlange Rotphasen an Lichtsignalanlagen;
  • ständige Wechsel zwischen Radwegen, Seitenstreifen und Straßenbefahrung;
  • insgesamt schlechte Wegequalität, sogar nach „Renovierungen“;
  • Unklarheiten zur Benutzungspflicht von Radwegen.

Viele gute Beispiele aus Ländern, die schon länger den Radverkehr fördern, können mit wenig Aufwand adaptiert werden. Als Beispiel sei das niederländische Design von Knoten (Kreuzungen) genannt, bei dem die Sicherheit des Radverkehrs höchste Priorität hat.

Ein sinnvolles Gesamtkonzept muss Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten erkennen lassen: Wer macht was bis wann? Damit Fortschritte messbar werden.

Aber auch das allgemein fehlende Bewusstsein für den Radverkehr ist problematisch: Die Einsicht, dass Radfahrende als Verkehrsteilnehmer grundsätzlich auf die Fahrbahn gehören, hat sich immer noch nicht durchgesetzt.

Damit verbunden ist auch das fehlende Verständnis dafür, wie gefährdet Radfahrende oft sind: So können Fahrrad-Schutzstreifen, die direkt neben KFZ-Parkstreifen verlaufen, zur großen Gefahr werden, wenn beispielsweise eine Autotür unvorsichtig geöffnet wird.

Im letzten Fahrrad-Klimatest ist Paderborn leider deutlich zurückgefallen – es ist Zeit für einen echten Perspektivenwechsel. Wenn wir unsere Stadt lebenswert erhalten wollen, muss der motorisierte Kurzstreckenverkehr verringert werden zugunsten des Fahrrad-/Fußgängerverkehrs und des ÖPNV.

Dafür ist es erforderlich, die genutzte Verkehrsfläche anders zu verteilen: u.a. durch den Rückbau vierspuriger zu zweispurigen Straßen. Als Beispiele seien hier die Detmolder Str., die Neuhäuser Str. sowie die Bahnhofstraße genannt. Letztere steht besonders durch den Bahnhofs-Neubau im Fokus.

Die aktuellen Änderungen der StVO (z.B. 1,50 m Mindestabstand beim Überholen von Radfahrenden, absolutes Halteverbot auf Fahrrad-Schutzstreifen) gehen in die richtige Richtung, zeigen aber auch, wie befangen die Politik vorgeht, wenn liebgewonnene Autofahrer-Gewohnheiten betroffen sind.

Um die Menschen vom Umstieg zu überzeugen, muss der Radverkehr positiv besetzt sein. Dazu gehören auch gute Abstellanlagen für (Lasten-)Fahrräder beim Einzelhandel und in der gesamten Stadt.

Ein wesentlicher Gesichtspunkt wird bei Diskussionen rund um eine gute Infrastruktur gerne vergessen: Radfahren macht Spaß, ist gesund und nicht gefährlich. Selbst bei schlechter Radinfrastruktur übersteigt der Nutzen des Radfahrens die Risiken. Mit guter Infrastruktur ist auch die gefühlte Sicherheit größer.

Natürlich gibt es Gefahren für Radfahrer, aber sie gehen meistens von schweren und zu schnellen Kraftfahrzeugen aus, insbesondere dann, wenn der Kraftfahrer abgelenkt oder überfordert ist. Deshalb ist es enorm wichtig, Radfahrer durch eine exzellente Infrastruktur vom schnellen Autoverkehr zu trennen. Alternativ sollten die Geschwindigkeiten der Kraftfahrzeuge stark beschränkt werden, wenn eine strikte Trennung nicht möglich ist.

Als weitere Forderungen für die Förderung des Radverkehrs benennt die Initiative für Radfahrende folgende Maßnahmen:

  • eine gerechte Platzverteilung der Parkflächen, die jeweils Fahrrädern und Autos zur Verfügung stehen;
  • Abschaffung der Ungleichbehandlung bei den Ampelschaltungen, nach wie vor hat das Auto Priorität;
  • eine neue Aufteilung der Verkehrsflächen, was die Verkehrssicherheit erhöht und auch dem Umweltschutz dient. Langfristiges Ziel muss eine autofreie Innenstadt sein. Dass das geht, zeigen Beispiele anderer Städte, wie z.B. Kopenhagen.

Die Treffen der Initiative für Radfahrende finden in der Regel am 3. Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr im Forum Ferdinandstrasse, Ferdinandstr. 17 statt.

Interessierte sind jederzeit willkommen, daran teilzunehmen.

Übrigens können Radfahrende über die Meldestelle RADar (auf der Homepage der Stadt Paderborn) einfach und schnell auf Missstände hinweisen.

Im Rahmen der Digitalisierung wird die entsprechende Meldestelle der Initiative (www.radalarm.de) demnächst mit der städtischen verknüpft.